July 7, 2010
„Ich habe 40 Songs für mein neues Album“
Im dk-Interview spricht Sarah Connor über ihre TV-Talentsuche und ihr Leben als zweifache Mutter
Sarah Connor kehrt in tragender Rolle auf den Bildschirm zurück. Parallel hegt sie den Anspruch, ihren beiden Kindern genug Zeit zu widmen. Die Plattenfirma muss sich deshalb gedulden.
Hamburg. Ihr neues Album ist immerhin in Sichtweite, doch zuvor wird Sarah Connor (30) ab 20. August zunächst für zwei Abende auf RTL und dann regelmäßig dienstags auf VOX neue Musiktalente suchen. Mit dem Star-Trompeter Till Brönner und dem Musikproduzenten George Glück soll sie das aus England importierte Erfolgsformat „X Factor“ in Deutschland populär machen. Privat hat sie sich weitgehend nach Berlin orientiert, wo sie mit ihrem Partner und Manager Florian Fischer sowie ihren Kindern Tyler und Summer in einer großen Wohnung in Grunewald zuhause ist.
dk: Sarah, du bist im Fernsehen bei Stefan Raabs Talentsuche für den Grand Prix in Oslo erstmals als Jurorin aufgetreten. War das so schön, dass du jetzt wieder andere beurteilen möchtest?
Sarah Connor: Nein, da wusste ich vorher gar nicht richtig, was mich erwartet. Auch Lena kannte ich nicht, die hab ich mir bei Stefan Raab im Büro angeguckt. Ich war nicht so involviert wie jetzt bei „X Factor“, wo ich mitbestimme, wer weiterkommt und wer nicht.
Wer an Casting-Shows im deutschen Fernsehen denkt, dem kommt schnell Dieter Bohlen in den Sinn. Wirst du um der Quote wegen auch ordentlich Sprüche raushauen?
Ich weiß nicht genau, was für Sprüche er macht, weil ich das nicht gucke. Aber ich hab natürlich davon gehört, jeder sagt mir das jetzt. Vieles war wohl relativ niveaufrei. Von daher habe ich den Anspruch, mich davon abzuheben und dem Ganzen mehr Würde zu verleihen. Dieter Bohlen macht das für RTL bestimmt ganz toll, sonst wäre er nicht so lange dabei.
Wie schwer oder wie leicht hast du dir die Entscheidung gemacht, bei „X Factor“ mitzuwirken?
Ich hatte wirklich Angst davor und habe fünf Monate bis zur Unterschrift unter den Vertrag gebraucht. George Glueck kam letztes Jahr im Oktober oder November in meine Berliner Wohnung und wir hatten ein langes Gespräch. Er ist leidenschaftlicher Fan der Show, seit sie in England zu sehen war. Er hat mir DVDs davon gegeben und ich bin dann wirklich daran hängengeblieben. Das hat mich angemacht. Vielleicht auch, weil ich die anderen Shows nicht geguckt habe.
Was ist denn an dem „X Factor“-Konzept so besonders?
Die Castings sind jeweils über mehrere Tage vor Publikum gelaufen, so in München, Berlin, Hamburg und Köln. In der zweiten Phase übernimmt jedes Jurymitglied die ausgewählten Teilnehmer einer Kategorie. Einer kriegt die 16- bis 24-jährigen Solokünstlerinnen und -künstler, der andere die älteren und einer bekommt die Bands. Die sechs besten Acts lädt jeder Juror in sein Jury-Haus ein und arbeitet mit ihnen, bevor je drei ihre Chance in den Live-Shows erhalten. Da baust du Beziehungen auf und überlegst dir, ob derjenige, der vor dir steht, das Publikum einfangen könnte.
In einem Trailer zur Show ist zu sehen, dass bei dir Tränen geflossen sind.
Ja, aber diejenige Person, bei der ich geweint habe, ist nicht weitergekommen. Das war eine Geschichte, bei der ich an etwas Persönliches erinnert wurde.
Du selber bist deinen Weg nicht über eine Casting-Show gegangen. Warum hast du es trotzdem geschafft?
Ich war sehr hartnäckig und verbissen. Ich bin in Delmenhorst und im Umland von Auftritt zu Auftritt getingelt – von Hochzeiten und Geburtstagen über irgendwelche Cocktailpartys bis zu Freiluftfeten von Radio Bremen Vier. Aber das war ein guter Weg, Menschen aus dieser Zeit sind mir heute noch sehr nah. Ich war auf dem besten Weg, mein Abi zu machen, bis George Glueck kam und gesagt hat: Lass es uns versuchen, Baby!
Dein offizieller Startschuss war der 7. Mai 2001, da erschien deine erste Connor-Single „Let’s get back to Bed – Boy!“. Lässt sich der heutige Pop-Zirkus noch mit dem vor gut neun Jahren vergleichen?
Meinen Vertrag hatte ich bereits 1999/2000 unterschrieben. Im Vergleich zu damals ist alles sehr viel schneller geworden. Ich glaube, dass die Fan-Loyalität nicht mehr so groß ist. Bei meinen Fans ist das zum Glück anders. Viele kenne ich, seit sie acht sind. Jetzt sind sie 18 und einige selber schwanger. Die Musikbranche hat unter der Internet-Entwicklung gelitten, weil es dadurch das greifbare Produkt immer weniger gibt. Die Leute brauchen unheimlich viele Reize, um wieder auf die Künstler zu gucken und nicht auf das, was drumherum passiert. Bei „X Factor“ spornt mich an, dass wir auf Nachhaltigkeit setzen und die Leute dazu bringen wollen, dass sie wieder hingucken. Die bisherigen Casting-Shows haben, so wie ich es persönlich empfinde, vor allem darauf geguckt, was mit einzelnen Teilnehmern im Privatleben oder im Gefängnis los ist.
So wie die Fernsehzuschauer bei den „Sarah & Marc“-Doku-Soaps alles aus eurem Leben erfahren haben.
Ja, ich weiß aus eigener Erfahrung, wie das ist, wenn du dich in gewisser Weise entmystifizierst. Ich hab das aber nicht am Anfang meiner Karriere getan, sondern nach fünf, sechs Jahren und mir damit ein Stück vom Mythos Sarah Connor genommen. Heute würde ich das nicht wieder so tun, aber damals hatte ich meine Gründe dafür. Ich möchte keine Sachen in meinem Leben bereuen, aber sehe das jetzt sehr kritisch und würde es auf keinen Fall wiederholen. Und ich würde so etwas auch niemandem empfehlen. Insgeheim sehnen wir uns doch nach Künstlern und Vorbildern, von denen wir nicht alles wissen, die noch ein Stück weit geheimnisvoll sind, auf die du deine eigenen Wünsche und Sehnsüchte projizieren kannst.
Du selbst warst mit deinem Privatleben viel in den Schlagzeilen, jetzt erlebt dich das Fernsehpublikum als Jury-Mitglied. Wann gibt es wieder was von Sarah der Sängerin?
Es gibt ganz, ganz viel, ich verspreche es. Ich glaube, ich habe 40 Songs für mein neues Album aufgenommen. Womit ich im Moment am meisten hadere, ist mein organisatorisches Problem. Ich habe zwei kleine Kinder, und mein Sohn kommt jetzt im August in die Schule. Und für „X Factor“ habe ich mich verpflichtet, ab Ende September bis Mitte November zweimal in der Woche vor der Kamera zu stehen. Natürlich würde meine Plattenfirma das Album gerne herausbringen, auch weil es seit zwei Jahren nichts von mir gab. Aber für mich haben im Moment meine Kinder Priorität, ich möchte für meinen Sohn da sein, wenn er aus der Schule kommt. Wenn dann das neue Album käme, wäre ich erstmals sechs Wochen für Promotion unterwegs.
Eine Tournee hast du nicht auf dem Plan?
Nein, das schaffe ich in diesem Jahr nicht mehr. „X Factor“ bis November, das Album eventuell parallel – das geht, wenn wir alles so komprimiert wie möglich organisieren. Dass ich jetzt in Berlin lebe, macht einiges einfacher.
Dein Wohnsitz in Wildeshausen ist Vergangenheit?
Nein, im Moment sind wir gerade dort. Da ist der Pool, und das Wetter ist ja passend dafür. Es gibt gar keinen Grund, das Haus zu verkaufen. Wir haben viel Platz da. Außerdem haben meine Kinder in der Straße ihre ganzen Freunde.
Was ist mit Delmenhorst?
Unser Kinderarzt ist Delmenhorster. Das ist der Grund, warum wir ab und zu da sind.
Vieles, was du jetzt erzählst, hört sich nach einem normalen Leben an …
Ja, das ist alles gar nicht so spektakulär. Ich gucke meinen Kindern im Pool zu, lese ihnen vor und sitze abends auf der Couch und gucke Fußball, wie alle anderen. Dann falle ich ins Bett und denke: Ich bin die langweiligste Frau der Welt.
Na, bei manchen geht es bestimmt langweiliger zu. Noch einmal zurück zu deiner Karriere: Warst du mit dem Erfolg deines letzten Albums „Sexy as Hell“ zufrieden?
Wenn du mich fragen würdest, wie oft das verkauft wurde, wüsste ich das noch nicht mal. „Sexy as Hell“ ist in einer Phase meines Lebens entstanden, in der ich sehr aufgewühlt war und in der ich gar nicht genau wusste, was ich songmäßig mache. Mein Herz war gebrochen, nicht nur wegen meiner Ehe und der Trennung, sondern wegen vieler Dinge, die passiert sind. Ich kann durch so etwas zwar wachsen, aber diese Erfahrungen werden mich nicht verlassen.
Du bist gerade 30 geworden, wo stehst du?
Ich glaube, ich gucke das erste Mal zurück und denke: okay … Und dann gucke ich nach vorne und nach unten und sehe zwei wundervolle kleine Menschen, die bei mir sind.
Du bist mit deinem Manager Florian Fischer auch privat zusammen. Wird es weitere Kinder geben?
Bei mir erst mal nicht. Ich liebe Kinder und hätte gerne eine große Familie, aber derzeit hab ich „X Factor“. Mal gucken, was noch so passiert.